Familienbund der Katholiken
im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen

Personalschlüssel in der Kindertagesstätte

Das wohl am häufigsten angesprochene Thema und die brennendste Sorge von Eltern ist die Gruppengröße in den Kindertagesstätten – oder anders ausgedrückt: der Personalschlüssel als das Zahlenverhältnis von Erzieherinnen und Kindern.

Ursprünglich wollte der Gesetzgeber bei der Reform des Kindertagesstättengesetzes gerade in diesem Punkt eine bessere Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Personalschlüssels erreichen, in dem er die gesetzlichen Standards von der gruppenbezogenen Berechung des pädagogischen Personals zur kindbezogenen Berechnung veränderte. Dennoch klagen Eltern immer wieder, dass ganz offensichtlich diese Standards nicht eingehalten zu werden scheinen.

In der Tagespflege gilt, dass eine Tagespflegeperson nicht mehr als fünf Kinder betreuen darf (§ 8 Abs. 2 ThürKitaG).

Das auf der Grundlage der derzeit geltenden gesetzlichen Standards notwendige pädagogische Personal in den Tageseinrichtungen lässt sich mit den folgenden Formeln relativ einfach berechnen:

Um also die „Mindestpersonalausstattung“ für die konkrete Einrichtung festzustellen, benötigt man die Anzahl der Kinder und deren Alter an dem für die Berechnung zu Grunde gelegten Stichtag.

Eltern haben uns aber auch folgende Erfahrungen mit der Feststellung des Personalschlüssels berichtet:

* Die finanzierenden Kommunen legen bei der Erstellung der Bedarfspläne die Anforderungen des Gesetzes dahin gehend aus, dass der gesetzliche Mindestbedarf an Personal nur für eine neunstündige Betreuung gilt. Nun werden Stichproben genommen, wie viele der angemeldeten Kinder wie lange tatsächlich in der Einrichtung sind. Auf der Basis dieser in der Regel kürzeren Anwesenheit, wird der o.g. Personalschlüssel mit „Faktoren“ u.ä. angepasst, was in der Regel eine Minderung der Personalausstattung bedeutet. Dieses hält der Familienbund für sehr fragwürdig,

... da hinsichtlich der Elternbeiträge auch keine Unterschiede zwischen angemeldeter Zeit und der tatsächlichen Betreuungszeit gemacht werden.

... da dieses Verfahren nicht dem Sinn des Gesetzes bzw. nicht dem Anliegen des Gesetzgebers entspricht. (Allein die Differenzierung zwischen Halb- und Ganztagsplatz und dem dadurch unterschiedlichen Personalbedarf wäre wohl zu rechtfertigen.)

* Das Personalmanagement der Kita-leitung und die Gruppenplanungen sind so unübersichtlich, dass Eltern nicht nachvollziehen können, ob der Personalschlüssel auch tatsächlich angewendet wird.

Wenn Eltern den Eindruck haben, dass der Mindestpersonalschlüssel nicht eingehalten wird, sollten sie sich nicht scheuen, konkret nach den Berechnungsgrundlagen zu fragen. Der Elternbeirat hat im Rahmen der jährlichen Bedarfsplanung des Jugendamtes das Recht, diese Zahlen zu erfahren – und evtl. auch zu hinterfragen. Sollten gravierende Mängel offensichtlich sein, so ist das Landesjugendamt als staatliche Aufsicht gem. § 9 Abs. 3 des Thüringer Kindertagesstättengesetzes für die Einhaltung der Rechtsvorschriften verantwortlich.

 

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