No records found in storage folder! "Sozialbilanz Familie"
Familienbund der Katholiken
im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen
"Sozialbilanz Familie"
11.08.2008

DIW konzipiert Förderkulisse für Familien aus ökonomischer Sicht

Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) hat im Auftrag des Kompetenzzentrums für familienbezogene Leistungen im BMFSFJ in einer „Sozialbilanz Familie“ analysiert, ob die gegenwärtige Familienförderung die familienbedingten Kosten effizient abbildet und ergänzend zur Betrachtung, inwieweit Familien die Entwicklung von Kindern beeinflussen, die wirtschaftlichen Effekte einer begleitenden frühkindlichen Infrastruktur untersucht.

Im ersten Analyseteil der Expertise werden auf Grundlage der Daten der Einkommens- und Verbraucherstichprobe 2003 die direkten  Kosten, die Familien selbst  für Minderjährige aufbringen, und die indirekten Kosten, die durch den Verzicht auf Erwerbseinkommen und kindbedingter Haushaltsführung entstehen, berechnet. Demnach bestreiten Familien jährlich für ihre minderjährigen Kinder 90,2 Mrd. Euro an direkten Kosten und mindestens 147,2 Mrd. Euro an indirekten Kosten. Die Bandbreite solcher Analysen ist dabei sehr groß. In anderen Untersuchungen werden die direkten Kosten auf bis zu 133 Mrd. Euro und die indirekten Kosten auf bis zu 222,3 Mrd. Euro beziffert.

In welcher Höhe der Staat zum Ausgleich dieser Kosten beiträgt ist umstritten. Während die Bundesregierung - zumindest in ihrer ersten Darstellung - von familienpolitischen Leistungen inklusive Bildung in Höhe von 238,3 Mrd. Euro ausging, wird in der DIW-Studie auch erwähnt, dass der Familienbund der Katholiken die staatliche Familienförderung auf lediglich 56 Mrd. Euro beziffert. Das DIW verwendet in seiner Analyse die familienpolitischen Leistungen im weiten Sinne und kommt so zum Ergebnis, dass der Staat die direkten Kosten von Familien mit 47,8 Mrd. Euro kompensiert und zusätzlich 78,8 Mrd. Euro aufwendet, um Familien kostenlose Leistungen wie Schulen, oder Leistungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zur Verfügung zu stellen. Mit dieser umstrittenen weiten Betrachtungsweise, berechnet das DIW, dass der Staat rund drei Viertel der direkten Kinderkosten in Höhe von 169 Mrd. Euro finanziert.

Von den 147,2 Mrd. Euro, die Familien an sogenannten indirekten Kosten entstehen, kompensiert der Staat nur 30 Mrd. Euro z.B. in Form des Elterngeldes. Er investiert allerdings 11,2 Mrd. Euro, so z.B. in die Kindertagesbetreuung, um das Entstehen dieser sogenannten Opportunitätskosten zu vermeiden. D.h. von den indirekten Gesamtkosten in Höhe von 158,4 Mrd. Euro beteiligt sich der Staat nur zu rund einem Viertel.

Im zweiten Teil der Studie untersucht das DIW den Einfluss der Familie auf die Entwicklung von Kindern. Unterschiedliche Studienergebnisse lassen offen, ob die Familienstruktur die Entwicklung der Kinder beeinflusst. Unzweifelhaft ist aber die Qualität des familiären Zusammenhalts für die Entwicklung und Gesundheit der Kinder. Familienzentren, wie in England die Early Excellence Centres oder andere Formen der Familienbildung, könnten nach Auffassung des DIW den familiären Zusammenhalt stärken und so zu besserem kognitiven, sozialen und gesundheitlichen Wohlbefinden der Kinder beitragen. Auch die Einflussfaktoren auf den Bildungserfolg lassen sich bestimmen. Dazu gehören laut DIW auch die „Home Investments“ wie Bücher, bezahlte Nachhilfe aber auch die Zeit, die Eltern für ihre Kinder aufbringen. Aufgrund eigener Untersuchung kommt das DIW zur Überzeugung, dass der Bildungsstand der Eltern, deren Einstellungen und Bildungsinvestitionen einen hochsignifikanten Einfluss auf den Bildungserfolg des Kindes haben. Demgegenüber spielt die Erwerbstätigkeit der Eltern beim Kompetenzerwerb der Kinder keine Rolle, d.h. auch, dass die Bildungsergebnisse nicht unter der Erwerbstätigkeit der Mütter leiden. Der Besuch eines Kindergartens fördert das Leistungspotenzial von Kindern gerade auch bei bildungsfernem Familienhintergrund.

Dementsprechend versucht das DIW in einem dritten Teil die Effekte eines Ausbaus frühkindlicher Infrastruktur abzuschätzen. Internationale Erfahrungen legen nahe, dass insbesondere eine frühzeitige Bildungsinvestition gleiche Bildungschancen ermöglicht und sozioökonomisch bedingte Bildungsnachteile ausgleicht. Der Ausbau kann nach Einschätzung des DIW die Studienquote benachteiligter Jugendlicher nahezu verdreifachen, Verurteilungen wegen Straftaten verringern und die Inanspruchnahme staatlicher Wohlfahrtsleistungen halbieren.

Vor diesem Hintergrund fordert das DIW weitere Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies soll in Form einer „möglichst aufkommensneutralen Umjustierung der Förderkulisse hin zu einer stärkeren indirekten Förderung“ geschehen. Die erforderlichen Investitionen zum Ausbau der Kindertagesbetreuung (incl. Gebührenfreiheit für einen Halbtages-Kindergartenplatz), für die erforderlich gehaltene Höherqualifizierung der Erzieher/innen wie auch zum Ausbau der Ganztagsgrundschulen in Höhe von insgesamt 7,5 Mrd. Euro lassen sich nach Berechnung des DIW allein aus den Einsparungen der „demografischen Rendite“, den geringeren Aufwendungen aufgrund rückläufiger Kinderzahlen, finanzieren. Ökonomisch besonders interessant erscheint dabei der Ausbau der Kindertagesbetreuung auch durch privat-gewerbliche Anbieter. Dies soll die Qualifikation der Kinder für den Arbeitsmarkt stärken sowie in Folge einer stärkeren Erwerbsbeteiligung von Frauen gleichzeitig zu Kosteneinsparungen beim Ehegattensplitting, Beitragsfreiheit im Rahmen der Familienversicherung etc. führen. Durch die Verkürzung der Erwerbsunterbrechung „nimmt automatisch ein Teil der Leistungen für Familien ab“, so das DIW. Familien werden aufgrund des höheren Familieneinkommens  auch in die Lage versetzt, mehr der direkten Kosten ihrer Kinder selbst zu tragen. Das steht zwar so explizit im Bericht nicht drin, diese Position lässt sich aber aus der verzerrenden Darstellung staatlicher Beteiligung an den direkten Kinderkosten durch den Einbezug der staatlich getragenen Bildungskosten erkennen.  

Wie stark diese rein ökonomische Perspektive bereits Wirklichkeit geworden ist, macht ein Abgleich der DIW-Vorschläge mit der aktuellen Familienpolitik der Bundesregierung deutlich. Ein Hinweis darauf ist auch der kräftige Investition in die Kindertagesbetreuung, während Familien bei der anstehenden Kindergelderhöhung wohl nicht einmal mit einem Inflationsausgleich rechnen können (s. Info 25/2008). Ob eine solche Politik und eine vom DIW errechnete wirtschaftliche Rendite von acht Prozent hinreichend ist, junge Menschen für Familie zu begeistern, wird die Zukunft zeigen.

Sie finden die 120seitige Expertise hier.

Quelle:
Infoservice Nr. 27/2008
Referat Familie und Generationen
der Zentrale des
Deutschen Caritasverbandes

Karlstr.40
79104 Freiburg
Telefon 0761 200-452
familie.generationen@caritas.de


 

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