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Familienbund der Katholiken
im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen
Eltern unter Druck
05.03.2008

Neue Studie bringt innere Not vieler Eltern zur Sprache und ist eine Herausforderung an die Gesellschaft.

„Eltern unter Druck“ unter diesem Titel ist letzte Woche eine hochinteressante familienpolitische Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung erschienen. Interessant und wichtig an der Studie ist m.E., dass Eltern in unterschiedlichen Milieus (ausgehend von den Sinus-Milieus) qualitativ bzgl. ihrer Lebenssituation und Rollenbilder als Eltern werden befragt, wobei zu „beobachten ist, dass sich in den jeweiligen Milieus einander fremde Sinn- und Wertehorizonte entwickeln, die unter dem Druck verstärkter Anforderungen an Bildung, Erziehung und Beruf in einer Wissensgesellschaft weiter auseinanderklaffen. So beobachten wir in den letzten Jahren ein deutliches Auseinanderdriften der Milieus sowohl in räumlicher als auch in kultureller Hinsicht.“(7f)

Spannend ist nun, dass sich alle Eltern auf je unterschiedliche Weise einem permanenten gesellschaftlichen (Erwartungs-)Druck gegenüber sehen. Dieser wird über normative Rollenerwartungen, als Bildungsdruck, als Erziehungsdruck, als Vereinbarkeitsdruck, als finanzieller Druck sowie als milieuübergreifende Erfahrung eines kinderunfreundlichen Umfeldes erlebt.

„Eltern vermissen im Alltag ein kinderfreundliches Klima. Sie wünschen sich eine größere Akzeptanz und Wertschätzung in der Öffentlichkeit, sei es in Restaurants und Cafés, im Wartezimmer beim Arzt, bei Behörden, Ämtern, Banken, in Supermärkten oder bei der Wohnungssuche. Insbesondere in Bezug auf kinderreiche Familien sprechen sehr viele Eltern von einer Stigmatisierung. Auch jene Eltern, die günstige Rahmenbedingungen für ihre Kinder ermöglichen können, kritisieren offen das wahrgenommene wenig kinderfreundliche Klima in Deutschland.“(19)

Die vermisste Haltung der Wertschätzung gegenüber dem, was Eltern in der Alltäglichkeit ihres Familienlebens leisten, und die Erfahrung der „Isolation“ oder des Alleingelassenseins mit den Fragen und Problemen des Alltags ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse der Studie: „Die wichtigste Botschaft seitens der Eltern ist: Es gibt nicht das eine Rezept, nicht den einen Hebel, den man bedienen muss, um Eltern, Kindern und Familien gerecht zu werden. Die Diskussion um die richtigen Maßnahmen kann nicht auf finanzielle Zuwendungen oder den Ausbau von Infrastruktur reduziert werden. Dies würde der Vielfältigkeit und den Wechselwirkungen nicht gerecht werden.

Eltern aus allen Milieus üben deutliche Kritik daran, dass Politik und Gesellschaft sie nur unzureichend unterstützen. Sie erleben ihren täglichen Spagat nicht nur unzureichend gewürdigt, sondern beklagen, dass sie als Eltern vor vielfältigen – unnötigen – Hürden stehen. Vor allem machen sie die Erfahrung, dass zwischen der verbal geäußerten Relevanz, die Kinder für die Gesellschaft haben, und der praktischen, konkreten Wertschätzung von Kindern in einer älter werdenden Gesellschaft eine immer größere Kluft entsteht.

Eltern wollen zuallererst eine stärkere Wertschätzung und Anerkennung. Sie sehen nicht, dass sie in der politischen Diskussion überhaupt vorkommen. Das afrikanische Sprichwort, wonach man ein ganzes Dorf benötigt, um Kinder zu erziehen, spiegelt die Realität von Eltern in Deutschland in keinerlei Weise wider – im Gegenteil: Eltern fühlen sich heute hohen Erwartungen ausgesetzt und damit gleichzeitig alleingelassen.“ (20f)

Ein familienpolitisch sehr bedenkenswertes Fazit der Studie: Was Eltern brauchen, ist eine größere gesellschaftliche Wertschätzung, indem ihre Bedürfnisse stärker als bisher berücksichtigt werden. Ebenso sind Eltern in ihren vielfältigen unterschiedlichen Lebenssituationen und in ihren unterschiedlichen Bedarfen stärker anzuerkennen als bisher. Und noch ein wichtiges Ergebnis der Studie: Nicht alle Eltern brauchen das Gleiche. Vielmehr zeigt die Studie sehr deutlich, dass Eltern Entlastungen unterschiedlichster Art benötigen, v. a. in Form von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, damit sie ihr Lebenskonzept, das sie sich wünschen, auch umsetzen können. Angesichts einer Überfrachtung der Elternrolle mit zunehmenden Ansprüchen und Erwartungen ist auch zu bedenken: Wer das Kindeswohl fördern will, kann dies nur tun, wenn er die Situation der Eltern verbessert. Eine gesellschaftliche Debatte über die Leistungsträger der Gesellschaft, über Mütter und Väter, ist längst überfällig.(24)

Angesichts solcher Wahrnehmungen erscheint eine einseitige öffentliche Debatte um die vielfältigen Dimensionen des individuellen „Versagens“ von Eltern und das große Misstrauen gegenüber Eltern (bspw. in der Diskussion um das Thüringer Erziehungsgeld) tatsächlich lebensfern und geradezu kontraproduktiv ….

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse von Christine Henry-Huthmacher ist hier beigefügt.

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Dr. Kurt Herzberg
Landesgeschäftsführer
Familienbund der Katholiken im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen
Stiftsgasse 4a, 99084 Erfurt
Tel.         0361/5662083
Fax          0361/5662084
E-Mail    fdk@familienbund-erfurt.de
Internet    www.familienbund-erfurt.de


 

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