No records found in storage folder! Elterngeld
Familienbund der Katholiken
im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen
Elterngeld
04.11.2008

Bewertung der Caritas

Zum 1. Januar 2007 wurde das bisherige Bundeserziehungsgeld durch das Elterngeld abgelöst. Das Elterngeld in Form einer Lohnersatzleistung soll die elterliche Betreuung der Kinder im ersten Lebensjahr ermöglichen, ohne dass die Eltern allzu große Einkommenseinbußen erleiden. Mit dem nun vorgelegten Elterngeldbericht kommt die Bundesregierung der ihr gesetzlich auferlegten Pflicht nach, über die Auswirkungen des Elterngeldes zu berichten und ggf. Korrekturen in die Wege zu leiten. Als Grundlage des Berichtes wurden zahlreiche Befragungen bei jungen Eltern, Personalverantwortlichen und in der Bevölkerung herangezogen. Insgesamt erhält das Elterngeld dabei gute Noten.

Die Einführung des Elterngeldes hat zur Folge, dass mehr Eltern ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, allerdings auch zu einem früheren Zeitpunkt die Erwerbsarbeit wieder aufnehmen. Das Elterngeld unterstützt den Wunsch, zugunsten der Kinderbetreuung ein Jahr aus dem Beruf auszusteigen, erzwingt durch die gegenüber dem Erziehungsgeld verkürzte Bezugsdauer aber offenbar auch wieder den früheren Berufseinstieg.

Der Bezugszeitraum des Elterngeldes erweist sich aus der Perspektive vieler Eltern als zu kurz. Selbst von der Gruppe der Mütter, die vor der Geburt erwerbstätig waren, kehren ein Jahr nach der Geburt nur etwa die Hälfte - mehrheitlich in Teilzeit - wieder in den Beruf zurück. Nach zwei Jahren planen 73% wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Dabei sind die beruflichen Planungen nicht immer im Sinne der Frauen: 39% der befragten Frauen hätten gerne früher und 28% der Frauen lieber zu einem späteren Zeitpunkt wieder gearbeitet. Der häufigste Hinderungsgrund für einen früheren Berufseinstieg ist die fehlende oder zu teure Kindertagesbetreuung. Gegen einen späteren Einstieg sprechen weit überwiegend die finanziellen Zwänge. Nur eine von drei Frauen kann offenbar die beruflichen und familiären Aufgaben nach ihrer Vorstellung realisieren. Dies verdeutlicht, wie eingeschränkt die sogenannte Wahlfreiheit von Frauen und Familien sind. Die Väter wurden interessanterweise dazu nicht befragt.

Als große Errungenschaft des Elterngeldes kann gewertet werden, dass sich immer mehr Väter (derzeit 13,7%) dazu entschließen, Elternzeit – wenn auch weit überwiegend nur für zwei Monate – in Anspruch zu nehmen. Dies korrespondiert mit einer Einstellungsänderung in zahlreichen Unternehmen, die eine Reduzierung der Arbeitszeit oder eine Erwerbsunterbrechung von Vätern zunehmend positiv beurteilen. Als Hauptgrund für die Nichtbeanspruchung der Vätermonate wurde genannt, dass die Reduktion der Arbeitszeit aus betrieblichen oder finanziellen Gründen nicht möglich war.

 Abenteuerlich mutet der Bericht an, wenn er dem Elterngeld zuschreibt, auch noch zur Armutsvermeidung beizutragen. 46,9% der Bezieher/innen erhalten lediglich den Mindestbetrag des Elterngeldes, darunter ein hoher Anteil von Schülerinnen und Studentinnen. 53% der Eltern erhalten weniger als 500 Euro Elterngeld. Bei Mehrkindfamilien nimmt dieser Anteil deutlich zu (bei 3 Kindern 75,4% und bei vier und mehr Kindern 82,9%). Legt man zugrunde, dass die Mehrheit der Bezieher/innen des Bundeserziehungsgeldes den Anspruch ehemals über die gesamte Laufzeit von 24 Monaten und in weit überwiegend in voller Höhe hatte, muss davon ausgegangen werden, dass sich die finanzielle Lage von rund der Hälfte der bisherigen Erziehungsgeldbezieher/innen verschlechtert hat. Dieser Zusammenhang lässt sich jedoch im gesamten Evaluationsbericht nicht finden.

Als Beweis für die „armutsreduzierende“ Wirkung des Elterngeldes führt das BMFSFJ dagegen an, dass beim Elterngeld im Jahr nach der Geburt des Kindes nur 24% der Haushalte mindestens eine zusätzliche Transferleistungen wie AlgII und Sozialhilfe bezogen haben, während diese Quote beim Erziehungsgeld um 5% höher lag. Wie unsinnig dieser Vergleich ist, macht die Tatsache deutlich, dass das Bundeserziehungsgeld zuletzt nur noch einkommensarme Familien und Transferempfänger erreicht hatte, während das Elterngeld von nahezu allen Familien, also auch von den einkommensstarken Familien, die natürlich keine ergänzenden Transfers benötigen, beantragt wird.

Die Zwischenauswertung einer Umfrage bei den katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen zeigt, dass Beratungen im Zusammenhang mit dem Elterngeld eine bedeutsame Rolle spielen. Auch hier gibt es eindeutige Hinweise, dass sich beim weit überwiegenden Anteil der Ratsuchenden die finanziellen Probleme durch die verkürzte Bezugsdauer deutlich verschärft haben.

Es ist schade, dass sich der Evaluationsbericht den Problemen des Elterngeldes nicht wirklich stellt. Der Bericht ignoriert auch den in den knapp zwei Jahren nach Einführung deutlich gewordenen Korrekturbedarf. So unterstützt der Deutsche Caritasverband derzeit eine Initiative, die zum Ziel hat, die Benachteiligung von gleichzeitig teilzeitarbeitenden Eltern abzuschaffen. Teilen sich die Eltern die Betreuung des Kindes partnerschaftlich und reduzieren daher ihre Arbeitszeit gleichermaßen, hat dies die Halbierung der Anspruchsdauer für das Elterngeld zur Folge.

Das erfolgsorientierte Familienministerium sieht derzeit keinen Korrekturbedarf, da „die Ziele des Elterngeldes im Wesentlichen erreicht werden“. Es wird lediglich auf die Änderungen verwiesen, die mit dem Ersten Gesetz zur Änderung des Bundeselterngeld und Elternzeitgesetzes (BEEG) vorgenommen werden (s. Info 11/2008). Eine Verlängerung der Elterngeldoption, um Druck von den Eltern zu nehmen, ist nicht geplant, da sich „die Dauer des Elterngeldbezugs als sinnvoll für die langfristige Sicherung der wirtschaftlichen Lage“ erwiesen hat. Allerdings beabsichtigt die Bundesregierung, die Väterbeteiligung weiter zu stärken.

Sie finden den 56seitigen Bericht unter http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Politikbereiche/familie,did=113900.html

Quelle:
Infoservice Nr. 37/2008
Referat Familie und Generationen
der Zentrale des
Deutschen Caritasverbandes

Karlstr.40
79104 Freiburg
Telefon 0761 200-452
familie.generationen@caritas.de


 

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