No records found in storage folder! „Kein Kind darf verloren gehen“
Familienbund der Katholiken
im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen
„Kein Kind darf verloren gehen“
07.10.2008

Vorschlag des Deutschen Caritasverbandes zur Bekämpfung der Kinderarmut

Während heute die Bundeskanzlerin eine Regierungserklärung zur Bankenkrise abgeben wird, und unglaubliche Geldbeträge zur Stabilisierung des Bankensystems in Aussicht gestellt werden, müht sich der Deutsche Caritasverband um vergleichsweise bescheidene 3 Mrd. Euro zur Bekämpfung der Kinderarmut.
„Zu viele Kinder wachsen in Deutschland in Familien auf, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft verdienen können“ so die Feststellung des Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher in der heutigen Bundespressekonferenz in Berlin. „Wichtig ist, dass bei armen Kindern das ankommt, was sie zu einem guten Aufwachsen brauchen“. Auch wenn eine ausreichende materielle Grundlage nicht alleine angemessene Rahmenbedingungen für das Heranwachsen von Kindern garantieren kann, sind die Entwicklungschancen von Kindern ohne diese materielle Sicherung deutlich eingeschränkt. Eine Politik der Bekämpfung der Kinderarmut muss gerade den Kindern helfen, deren Eltern arbeitslos oder aufgrund einer niedrigen Qualifikation oder einer schlechten örtlichen Arbeitsmarktlage zu wenig verdienen können. Der Deutsche Caritasverband hat die bestehenden materiellen Sicherungssysteme zur Bekämpfung materieller Kinderarmut untersucht und kommt zum Ergebnis, dass die Regelsätze für Kinder nicht hinreichend sind und unter Berücksichtigung kindspezifischer Bedarfe neu berechnet werden müssen. Nach Schätzung des DCV müssen sie je nach Alter zwischen 21 Euro und 54 Euro pro Monat erhöht werden. 
Auch der bestehende Kinderzuschlag für Eltern, die mit ihrer Erwerbsarbeit zwar ihren eigenen Lebensunterhalt nicht aber den ihrer Kinder bestreiten können, muss  dringend verbessert werden. Er muss so gestaltet sein, dass Familien im Niedrigeinkommensbereich für ihre Kinder existenzsichernde Leistungen erhalten und durch kontinuierliche Leistungsverläufe Ungerechtigkeiten vermieden werden. Auch hier legt der DCV einen konkreten Gestaltungsvorschlag vor. 
Schließlich fordert der DCV auch die Länder und Kommunen auf, zur Befähigung von Kindern aus benachteiligten Familien beizutragen. Für diese Kinder muss es ein kostengünstiges Schulmittagessen geben, Lehrmittelfreiheit, ein Starterpaket mit Lernmitteln (Stifte, Hefte etc.) zum Schulanfang, kostenloser Nachhilfe- und Musikunterricht, Vereinsbeiträge sowie Freikarten für den öffentlichen Nahverkehr und öffentliche Schwimmbäder.
Mit diesem Maßnahmepaket könnte eine eigenständige und einkommensabhängige Kindergrundsicherung von Familien außerhalb des Arbeitslosengeldes II geschaffen werden. Dies hilft Familien in Armut, stellt aber auch Familien bis in die untere Mittelschicht hinein besser. Die befähigenden Sachleistungen stärken daneben die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen auf nicht-materiellem Gebiet und fördern sie dabei, ihre Lebenschancen zu ergreifen. Die Kosten für die erforderliche Erhöhung der Kinderregelsätze belaufen sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Die Kosten für die Qualifizierung des Kinderzuschlags belaufen sich nach Berechnungen der  PROGNOS AG und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung auf rund 1,53 Milliarden Euro. Geplante Reformen der Bundesregierung, wie die Erhöhung des Wohngelds oder des Kindergelds werden diese Kosten vermindern. Darüber hinaus müsste der Kinderfreibetrag im Steuerrecht angehoben werden, was zu Steuerausfällen in Höhe von 770 Mio. Euro führen würde. 
In einem Sonderheft der Neuen Caritas werden die Analysen und Zusammenhänge ausführlich dargestellt (Download hier). Das Sonderheft wird auch in der nächsten offiziellen Ausgabe der Neuen Caritas mit eingebunden sein.

Gestern noch hatte der OECD-Mitarbeiter Willem Adema in der Süddeutschen Zeitung den Entschluss der Regierung vom Wochenende kritisiert, das Kindergeld um 10 Euro für das erste und zweite Kind und um 16 Euro für alle weiteren Kinder zu erhöhen. Der Deutsche Caritasverbandes hatte bereits früher darauf hingewiesen hatte, dass eine solche Erhöhung nicht einmal den Inflationsausgleich herstellen kann (vgl. Info 25/2008). Dagegen wiederholt die Wirtschaftsorganisation der Industriestaaten ihre Ansicht, dass in Deutschland zu viel Geld für direkte Zahlungen an die Familien ausgegeben wird. Beim Vergleich der Ausgaben im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt werden jedoch wiederum Äpfel mit Birnen verglichen. Eine für das Kompetenzzentrum familienbezogene Leistungen erstellte Studie mit dem Titel „Vergleich verschiedener Systematiken zur statistischen Erfassung familienbezogener Leistungen“ müht sich dagegen bei allen methodischen Schwierigkeiten um einen seriösen Vergleich und kommt zu anderen Ergebnissen: Demnach nimmt Deutschland im Vergleich der EU 15 Staaten bei den Familienleistungen einen mittleren neunten Platz ein. Auch die monetären Transfers sind dabei keineswegs überdurchschnittlich.  (http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Forschungsnetz/forschungsberichte,did=109782.html)

Quelle:
Infoservice Nr. 32/2008
Referat Familie und Generationen
der Zentrale des
Deutschen Caritasverbandes

Karlstr.40
79104 Freiburg
Telefon 0761 200-452
familie.generationen@caritas.de


 

Newsletter

Möchten Sie regelmäßig familienpolische Informationen erhalten?

Name:

Email:

 

Sind sie registriert und möchten keine Emails mehr erhalten, dann klicken Sie hier!
letzte Änderung: